Francisco Goya – Visionen von Schrecken und Hoffnung
02.10. bis 05.12.2010
Walter Benjamin zum 70. Todestag
Eine Ausstellung im Kunstmuseum Solingen, dem Zentrum der verfolgten Künste
Das Zentrum der verfolgten Künste im Kunstmuseum Solingen gedenkt des 70. Todestages von Walter Benjamin und zeigt dessen rekonstruierte Bibliothek von 2000 Werken in 3000 Bänden, die bei der Verfolgung des Dichters, Essayisten und Kritikers durch das NS-Regime verlorenging. Die Ausstellung, die am 2. Oktober eröffnet wird, hat den Titel „Die Unsterblichkeit der Sterne. Von Goya über Walter Benjamin zu Václav Havel“. Sie reicht von Goyas Visionen des Schreckens, die im Holocaust schlimmste Realität erfuhren, bis zur Auseinandersetzung der zeitgenössischen Malerei mit Goya. Sie spannt den Bogen hin zu den exemplarischen Schicksalen Walter Benjamins und Václav Havels in den beiden Totalitarismen des vergangenen Jahrhunderts.
Die Benjamin-Bibliothek stellte der Stuttgarter Antiquar und Benjamin-Liebhaber Herbert Blank zusammen, dem Prag bereits die rekonstruierte Kafka-Bibliothek verdankt. Aus dem gesamten Bestand werden die für Benjamin bedeutendsten und auch die schönsten Bücher des leidenschaftlichen Sammlers einzeln präsentiert. Von dem israelischen Bildhauer Dani Karavan ist das Modell der Gedenkstätte von Port Bou zu sehen, wo sich Benjamin am 26. September 1940 nach gescheiterter Flucht an der spanischen Grenze das Leben nahm.
Das Schicksal des Dramatikers Havel, sein Weg durch die Verfolgung im Kommunismus bis hin zum Präsidenten seines befreiten Landes, ist integriert in die Geschichte der deutschsprachigen Literatur der Tschechoslowakei aus der Sammlung Jürgen Serke, hervorgegangen aus dessen Buch „Böhmische Dörfer“. Havel, der den Kommunismus ebenso ablehnte wie die Zerstörung des deutschen Kulturanteils seines Landes, wird in seinem literarischen und politischen Kampf auf dem Weg in die Freiheit gezeigt, in der Wiederherstellung Prags als Mittelpunkt Europas, „wo die Weltachsen sich schneiden“, wie einst Robert Musil formulierte.
Das „Museum der verfolgten Künste“ in Solingen ist das einzige seiner Art in Europa. Bekannt wurde es vor zweieinhalb Jahren durch die Ausstellung „Himmel und Hölle zwischen 1918 und 1989. Die verbrannten Dichter“. Es umfasst die Literatursammlung Serke der Stiftung der Else Lasker-Schüler Gesellschaft und die Sammlung verfemter Malerei von Gerhard Schneider. Kurator der Ausstellung ist auch diesmal der Berliner Kunsthistoriker Jürgen Kaumkötter, der 1995 die wegweisende Ausstellung „Kunst in Auschwitz“ im Berliner Centrum Judaicum zusammenstellte.
Information
Dr. Rolf Jessewitsch (0212 / 258 14 12)
Ausstellungsdauer
02.10. bis 05.12. 2010
Abbildung
Walter Benjamin: Einbahnstrasse, Berlin 1928
Broschur mit Fotomontagen von Sasha Stone
Abb. oben: Sabina Smith
|